Eine organisierte und ideologisch gefestigte Neonazi-Szene ist im Raum Schweinfurt nicht vorhanden.
Allerdings gibt es sowohl junge, als auch alte rechtsradikale Einzelpersonen, von denen folgende öffentlich in Erscheinung treten:


Dr. Roderich Sell (parteilos):
Der 70-jährige Ex-Stadtrat und -Oberarzt der Würzburger Uniklinik wurde 2001 wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 22.500 DM verurteilt, weil er in einem Leserbrief den Mord an Alberto Adriano als "Notwehr gegen Überfremdung" rechtfertigte. Schon lange davor fiel er durch Drohungen in einem Leserbrief auf. Auch heute ist er noch aktiv: Er besuchte am 7. November 2006 mit einem Altersgenossen und 2 Nachwuchsnazis die Eröffnung der Ausstellung "Rechtsradikalismus in Bayern" im Schweinfurter Rathaus. Auch beim Staatsschutzvortrag "Rechtsextremismus in der Region" am 16.11.06 stand er beim Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Bad Kissingen Ulrich Hertel und störte die Veranstaltung mit provokativen Fragen. Danach griff er einen Jugendlichen an, der ihn fotografierte. Die anwesende Polizei konnte Schlimmeres verhindern.

Erich Wilhelm (NPD):
Vom 86-jährigen Vorsitzenden des NPD-Kreisverbandes Schweinfurt-Haßberge gehen kaum noch öffentlichkeitswirksame Aktionen aus. Seine politischen Aktivitäten beschränken sich auf das Abhalten von sogenannten "nationalen Stammtischen", bei denen sich FaschistInnen allen Alters austauschen können und junge SympathisantInnen enger an die Szene gebunden werden sollen. Auch aus Anlass der Rechtsradikalismus-Ausstellung meldete er sich per Pressemitteilung zu Wort: Er forderte die Schweinfurter Oberbürgermeisterin dazu auf, die Ausstellung zu verbieten, andernfalls werde die NPD eine eigene Ausstellung anmelden. Aus der Ankündigung wurde nichts, stattdessen schleppte er sich mit Krücke in den Staatsschutz-Vortrag ins Rathaus.

Richard Graupner (Die Republikaner):
Der 44-jährige Polizist, Stadtrat und dreifache Familienvater bemüht sich stets darum, seine Partei vom rechtsextremen Image zu befreien. Auch er nutzte die Rechtsradikalismus-Ausstellung, um an die Öffentlichkeit zu treten. In einer Mitteilung kritisierte er, dass das Ex-REP-Mitglied Franz Schönhuber auf einem Bild in der Ausstellung im Rathaus in Verbindung mit seiner Partei gebracht werde. Außerdem wies er darauf hin, dass die Republikaner nicht als rechtsextrem bezeichnet werden dürfen und behauptete, die Ausstellungsbesucher würden so bewusst irregeleitet werden. Graupner meldete in der Vergangenheit auch Infostände in der Schweinfurter Fußgängerzone an, an denen nationalistische und rassistische Propaganda verteilt wurde.


Infos über Nazistrukturen in Unterfranken gibts auf der Homepage des Pressearchiv und Dokumentationszentrum Unterfranken.

Für weitere Infos sind wir natürlich dankbar! Bitte (wenn möglich verschlüsselt) an: